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“Geschichte erlebbar machen”

Montag, 6. Juni 2011 18:55

INTERVIEW: Marianne Witt-Stuhr zur Ausstellung (Text und Foto: Neue Westfälische)
Salz und Sole
Wirbt für die Sälzerstadt | FOTO: REINHARD ROHLF
Salzkotten. Ein Monat lang war die Dreckburg das Salz-Geschichts-Zentrum Salzkottens. Über die Ausstellung “Sole und Salz”, die an diesem Wochenende (Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr) zum letzten Mal zu sehen ist, sprach Heimatvereins-Vorsitzende Marianne Witt-Stuhr mit Simone Flörke.


Wie lief die Ausstellung in der Dreckburg bislang?

MARIANNE WITT-STUHR: Mit unserem ehrenamtlichen Ausstellungsprojekt sind wir sehr zufrieden. Es gab viele aktive Heimatfreunde, die unsere Arbeit bereicherten. Bislang waren samstags und sonntags etwa 500 große und kleine Gäste aus Salzkotten in der Burg zu Gast – darunter sind auch Kinder der Liboriusgrundschule, der Montessorischule und der Philipp-Korte-Realschule.

Warum ist es so wichtig, dass die Menschen über die Salz-Geschichte Salzkottens Bescheid wissen?
WITT-STUHR: Die Beschäftigung mit der Stadtgeschichte führt letztlich auch zu einer stärkeren Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt. Wir beschäftigen uns deshalb nicht nur mit der Vergangenheit, sondern haben gemeinsam mit der Stadt Salzkotten und wichtigen Initiativen, wie dem vor kurzem gegründeten Sälzerkollegium, auch die Zukunft fest im Blick. Wir wollen die über tausendjährige Salzgeschichte für die Menschen erlebbar machen – damit stellt sich auch die Frage: Wie wohnten, arbeiteten, lebten die Menschen in früherer Zeit? Wo finden sich heute noch bauliche Zeitzeugen, die uns einen Blick in den Alltag werfen lassen?

Was fasziniert Sie ganz persönlich daran?
WITT-STUHR: Dass Salz einst fast so wertvoll war wie Gold und deshalb auch als “weißes Gold” bezeichnet wurde, kann man sich heute kaum noch vorstellen. Salz ist schließlich in jedem Supermarkt günstig zu bekommen. Viele Jahrhunderte lang war das aber ganz anders – Salz war teuer und begehrt. Seine Gewinnung beaufsichtigten spezialisierte Fachkräfte. Mit Salz verdiente man hier viel Geld: Adelige, Klöster und Bürger waren vom weißen Gold am Hellweg abhängig. Seine Gewinnung bedeutete aber auch gefährliche Schwerstarbeit für Sälzer, Handwerker und Tagelöhner.

An diesem Wochenende wird die Ausstellung zum letzten Mal gezeigt. Auf was können sich die Besucher an diesen beiden Tagen freuen?
WITT-STUHR: In der Burg entdecken die Besucher die ganze Welt des Salzes – mit Arbeitsgeräten, kostbaren Salzgefäßen und einem spannenden Theaterstück, das die Kinder der Liboriusgrundschule im Saal der Dreckburg am Sonntag, 29. Mai, um 15 Uhr aufführen werden. Alle großen und kleinen Besucher sind dazu eingeladen. Übrigens sind die ältesten Exponate mehr als 2.500 Jahre alt. Wir haben in der Ausstellung aber auch Kuriositäten, wie Rezepte vom Salzpfarrer Philipp Korte gegen Läuse und für guten Branntwein.

Was plant der Heimatverein Salzkotten als nächstes? Und wie weit ist das Salzmuseum gediehen?
WITT-STUHR: Die Ausstellung Sole und Salz ist eine wichtige Grundlage für unsere geplante Dauerausstellung, die wir künftig im Sälzermuseum präsentieren möchten. Zurzeit werden die Räume der alten Mädchenschule am Kirchplatz mit Fördermitteln aus dem Leader-Programm für die museale Nutzung umgestaltet. Gemeinsam mit der Stadt und Kulturschaffenden könnte sich das Salzmuseum als kulturelles Zentrum für und mit den Bürgern entwickeln. Das Museum als Ort der Geschichtsforschung, Darstellung und Präsentation der Stadtgeschichte soll fest in der Öffentlichkeit verankert werden.

Auf der Spur des weißen Goldes

Freitag, 29. April 2011 22:38


Ausstellung “Sole und Salz” in der Dreckburg Salzkotten / Samstags und sonntags im Mai geöffnet

Von Simone Flörke – Neue Westfälische

Heinz Fricke, Helmut Steines, Ludwig Knust und Sigrid Brand-Rempe (Heimatverein) zusammen mit Gerhard Sprink (v. l.), der das Modell in jahrelanger Kleinarbeit gebaut hat, vor ihm das Gradierwerk. (Foto Rohlf, NW)Salzkotten. In jedes der rund 100 kleinen Holzgebäude hat Gerhard Sprink 20 bis 30 Stunden Zeit und Arbeit investiert, in den Bau des Gradierwerkes nach eigenem Bekunden sogar drei Monate. Das Modell der Innenstadt Salzkottens anno 1925 im Maßstab 1:200 ist einer der Hingucker der neuen Ausstellung “Sole und Salz”, mit der der Heimatverein auf die Spur des weißen Goldes in der alten Sälzerstadt geht.

Sie wird heute Abend in der Dreckburg eröffnet und ist am Samstag und Sonntag erstmals für Besucher geöffnet (siehe Infokasten). Anhand von 200 bis 300 zum Teil wertvollen Exponaten, die laut der Vorsitzenden Marianne Witt-Stuhr “zum großen Teil aus bislang nicht veröffentlichtem Privatbesitz stammen”, 17 thematisch gefassten Schautafeln sowie Vitrinen mit Dokumenten wird die lange Geschichte der Salzgewinnung in Stadt und Region und die entstandene Kultur thematisiert. Ein großer Bereich mit vier Tafeln ist dem Salzkottener “Salz-Promotor” Pfarrer Philipp Korte (1730 bis 1803) gewidmet, der sich wissenschaftlich mit der Salzgewinnung befasste und sie modernisierte. Er war von Fürstbischof Wilhelm Anton von der Asseburg (zuhause auf der Dreckburg) eingesetzt worden.

Im Eingangsbereich der Burg steht das drei Meter lange mechanische Modell eines Gradierwerkes, das aus Bad Salzuflen kommt. Zudem sind Versteinerungen aus der Saline, eine alte Salzwaage von 1704, wertvolle Salzgefäße inklusive Tafelkultur, eine Salzsiedepfanne sowie die preisgekrönte Unterrichtseinheit aus der Philipp-Korte-Realschule Salzkotten von Beatrix Gierling zu sehen.

“Die Nutzung der Salzquellen in Salzkotten wird bereits in einer Urkunde von 1160 erwähnt”, erklärt die Vorsitzende. “Damals gab es die Stadt noch gar nicht, die erst 1247 gegründet wurde. Wohl aber eine Sälzersiedlung.” Sie verweist auf das Kloster Hardehausen, in dessen Auftrag mehr als 300 Laienmönche tätig waren, die auch in Salzkotten die Salzproduktion vorantrieben. “Hier gab es einen eigenen Salzmeister.” Später habe das Handwerk der Salzgewinnung ganze Familien, sogar die Frauen und Kinder beschäftigt, vom Tagelöhner bis zum Holzknecht. “Die Saline war ein großer Wirtschaftsbetrieb.” Man stehe mit der Forschung aber noch am Anfang, sagt Witt-Stuhr und ist hocherfreut, dass man auf dem Dachboden beim Grafen von Westphalen in Fürstenberg über 500 bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Akten wiedergefunden hat. Viele neue Quellen auch für die Heimatforscher aus Salzkotten. Für Bürgermeister Michael Dreier ist das Salz “die Identität der Stadt”, “das, was sie ausmacht, wodurch sie groß geworden ist”. Ein Alleinstellungsmerkmal und “touristisches Aushängeschild”. Um das Thema Salz wieder be-greifbar zu machen, habe man auch das Sälzerkollegium wieder ins Leben gerufen.

Am ersten Ausstellungs-Sonntag spielen Schüler der Montessori-Schule Salzkotten um 14 Uhr und um 15 Uhr Theater: “Die Prinzessin und das Salz”.

Sole und Salz – eine Zeitreise in die Salzgeschichte der Stadt Salzkotten

Mittwoch, 20. April 2011 12:11

Sole und Salz – Die Geschichte des weißen Goldes in Salzkotten
Ausstellung in der Dreckburg eröffnet am 29. April

Das Gradierwerk im 19. Jahrundert an der Geseker Straße. (Quelle Dr. Walter Hemmen)

Das Gradierwerk im 19. Jahrhundert an der Geseker Straße. (Quelle Dr. Walter Hemmen)

Dass Salz einst fast so wertvoll war wie Gold und deshalb auch als „weißes Gold” bezeichnet wurde, kann man sich heute kaum noch vorstellen.  Salz ist schließlich in jedem Supermarkt günstig zu bekommen. Viele Jahrhunderte war das aber ganz anders – Salz war teuer und begehrt. Seine Gewinnung beaufsichtigten spezialisierte Fachkräfte. Mit Salz verdiente man viel Geld. Salzkotten – schon der Name der Stadt am Hellweg macht bis heute deutlich, was für die Menschen lange Zeit am wichtigsten war: das Salz und seine Gewinnung. Die lange Geschichte der Salzgewinnung in Salzkotten ist das Thema einer Sonderausstellung auf der Dreckburg vor den Toren Salzkottens.

Die Ausstellung wird durch wertvolle Exponate (die zu einem großen Teil aus bislang nicht veröffentlichtem Privatbeitz stammen) bereichert. Sie berichten anschaulich über die historische Salzgewinnung am Hellweg. Erste Spuren der Nutzung des Salzes gehen bis in das Mittelalter zurück Die Nutzung der Salzquellen in Salzkotten wird bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1160 erwähnt. Lieferant für das „weiße Gold“ in Salzkotten war die „Unitas-Quelle“, die auf dem heutigen Marktplatz entspringt. Im Jahr 1247 erhielt die Sälzersiedlung Salzkotten das Stadtrecht. Diese Privilegien ermöglichten den schnellen Aufstieg der Salzstadt im Hochstift Paderborn. Ohne ihr Salz und ihre Saline hätte die Geschichte unserer Stadt sicher einen anderen Verlauf genommen. Jahrhundertelang war Salz Quelle für Macht, Reichtum und bürgerliches Selbstbewusstsein.

Mittelalterliche Grabungsfunde, wertvolle Urkunden aus der Saline Salzkotten und verschollen geglaubte Exponate aus dem Nachlass von Pastor Philipp Korte, der als Ingenieur auch das Salzwesen in Salzkotten revolutionierte, dokumentieren die große Bedeutung der Salzstadt für das Hochstift Paderborn.  Die Burgtore der Dreckburg öffnen sich für die Besucher der Ausstellung Sole und Salz am 30. April ab 14 Uhr und am 1. Mai ab 11 Uhr. Die Ausstellung ist im Mai samstags von 14.00 bis 17.00 Uhr und sonntags von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu sehen. Für Familien wird an drei Sonntagen um 15.00 Uhr eine Führung angeboten.

Gruppen- und  Kinderführungen können nach Absprache gern auch an den Wochentagen gebucht werden.

Anfragen und weitere Informationen:

Marianne Witt-Stuhr
Tel. 0171-2771449
1.Vorsitzende@heimatverein-salzkotten.de

Manuela Gieseke von Rüden
Tel.: 0173-3609962

Ausstellungsflyer Sole und Salz

Das Zugunglück in der Osternacht 1945

Montag, 11. Oktober 2010 11:01

Forscht weiter: Rainer Wester aus Upsprunge. FOTO:ROHLF, Neue Westfälische

Forscht weiter: Rainer Wester aus Upsprunge. FOTO:ROHLF, Neue Westfälische

Über ein besonderes Unglück auf der Bahnstrecke zwischen Geseke und Salzkotten ging es bei einem Vortrag des Heimatvereins Salzkotten am 29. Oktober 2010. Im Rahmen des 160jährigen Geburtstages sprach Rainer Wester über ein Zugunglück , welches der Öffentlichkeit über sechs Jahrzehnte nahezu verborgen geblieben ist. In der Osternacht 1945 fuhr gegen Mitternacht ein Bauzug, der sich mit zahlreichen Personen in den Harz absetzen wollte, auf zwei am Waldrand stehende Lokomotiven auf. Es gab mehrere Tote und zahlreiche Verletzte. Die Verunglückten konnten aufgrund der Kriegswirren erst eine Woche später geborgen und begraben werden. Über die Recherche konnten Schicksale geklärt werden, denn auch 65 Jahre nach dem Unglück wussten einige Nachfahren immer noch nicht, was mit ihren Vorfahren, die Amerikaner standen in jener Nacht gerade in Salzkotten, passiert ist. Rainer Wester berichtete vor 59 Gästen im Polizeimuseum in Salzkotten von seiner spannenden Recherche und nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise ins Frühjahr 1945. [...]

In den Vereinen zuhause

Montag, 29. März 2010 10:34

Salzkotten trauert um engagierten Heimatfreund und Autor Hans Kohlenberg

Salzkotten. Über viele Jahrzehnte hat er die Geschichte der Stadt Salzkotten weit über die Tore der Stadt hinaus bekannt gemacht und dabei als Politiker selbst Geschichte geschrieben: Hans Kohlenberg ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Als Sälzer Urgestein war der Jurist nicht nur in vielen Vereinen zuhause, er hat sich auch kommunalpolitisch engagiert und war als Autor und Chronist aktiv. Schon seit 1947 gehörte er der Kolpingfamilie an. Im Jahr 1949 trat er in die St.-Johannes-Schützenbruderschaft ein, für die er seit 1960 an auch im Vorstand tätig war. Auch für den Heimatverein Salzkotten leistete er viele Jahre lang Vorstandsarbeit: Von 1972 bis 1990 übte er bei den Heimatfreunden das Amt des 2. Vorsitzenden aus.“Familie und Heimat sind Urquellen, aus denen man immer wieder schöpfen kann“, schrieb Hans Kohlenberg in seinem Buch „Salzkotten innerhalb der Stadtmauern – einst und jetzt“. Mit diesem Motto engagierte sich der fünffache Familienvater besonders für die Heimatgeschichte, dabei lag ihm die Förderung der regionalen Kultur besonders am Herzen.

Viele Jahre lang dokumentierte Hans Kohlenberg seine Heimatstadt als Chronist: Über 30 Jahre schrieb er die Schützenchronik. Darüber hinaus vertrat er als Stadt- und Ortsheimatpfleger Salzkottens sowie als Kreisheimatpfleger die Interessen und Anliegen der regionalen Kultur. Für seine ehrenamtliche Arbeit erhielt der Sälzer Jurist und Notar mehrere Auszeichnungen, darunter vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften das St. Sebastianus-Ehrenkreuz (1984) und das Schulterband zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz (1995). 1985 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die Stadt Salzkotten ehrte ihn außerdem 1986 mit dem Sälzer Wappenschild und verlieh ihm im Jahr 1995 den Ehrenring.

Auch in der regionalen Politik hinterließ Hans Kohlenberg viele Spuren: Seit 1960 gehörte er der CDU-Ortsunion Salzkotten an, in der er von 1961 bis 1964 zum Vorsitzenden gewählt wurde. Von 1964 bis 1969 war er außerdem als stellvertretender Landrat Mitglied des Kreistages im Altkreis Büren.

Heimat erleben, bewahren und dokumentieren: Neben der Publikation der Salzkottener Stadtchronik verfasste er zahlreiche Heimatbücher, Bildbände und Aufsätze, die auch in Zukunft die regionale Heimatliteratur bereichern werden: Hans Kohlenberg hinterlässt seine Ehefrau Annemarie und fünf erwachsene Kinder mit Enkelkindern. Er hinterlässt aber auch ein beeindruckendes Gesamtwerk für die Sälzer Heimatgeschichte.