Grabungen

Zeitreise an der B1

Eine frühgeschichtliche Handwerkersiedlung an der Dreckburg

In der Nähe des alten Hellweges, der heutigen B1, leben und arbeiten Menschen seit vielen Jahrhunderten. Im Neubaugebiet bei der Dreckburg legte das Grabungsteam von Dr. Andreas Haasis-Berner und Thomas Pogarell (Museum für Archäologie, Fachreferat Mittelalter) seit Mai 2001 Siedlungen frei, die von der Eisenzeit (um 700 vor Christus) bis in das Frühmittelalter um 800 nach Christus bewohnt waren.

13 Monate lang haben die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vor den Toren Salzkottens bei der Dreckburg gegraben. Ende Oktober beendete das 15-köpfige Team die Grabungen. Grabungsleiter Dr. Andreas Haasis-Berner zieht eine erste Bilanz: „Schon in der Mitte des 6. Jahrtausend v. Chr. war diese Region besiedelt. Erstmals konnten wir auch im Kreis Paderborn menschliche Spuren für diese frühe Zeit nachweisen.“ In einer Grube auf dem fast drei Hektar großen Grabungsgelände fanden die Archäologen Feuersteine, von denen man Klingen abgeschlagen hatte. Die Rohstoffe wurden damals aus Belgien in den westfälischen Raum importiert. Mit Unterbrechungen war das Gebiet der heutigen Dreckburg mehrere Jahrtausende lang bis in das frühe Mittelalter bewohnt. „Wir haben hier zahlreiche Funde entdeckt, die wir bis in das 9. Jahrhundert nach Christus datieren können,” berichtet LWL Grabungstechniker Thomas Pogarell. “Immer wieder siedelten die Menschen auf dem Gelände, denn es lag günstig: Der Boden war fruchtbar, der nahe Rothebach stellte die Wasserversorgung sicher, und später führte der Hellweg nahe vorbei.” So sind die Fachleute heute im Bilde über die Arbeitsgewohnheiten aus der Zeit von 200 bis etwa 400 nach Christus. „Die Menschen stellten zu dieser Zeit fast alle Produkte selbst her“, ergänzt Grabungsleiter Haasis-Berner. „Wahrscheinlich hat hier sogar ein Feinschmied gelebt. Er hinterließ den Rohling einer Armbrust-Fibel.“ Neben der Herstellung und Verarbeitung von Textilien und Eisen, ist auch die Keramikherstellung durch eine “Fehlbrandgrube” (um 500 v. Chr.) nachweisbar. Bislang hat das Grabungsteam mehrere Zentner Keramik, darunter Webgewichte und Spinnwirtel aus Ton, geborgen. Mit dem Ende der Grabungen sind die Arbeiten der Archäologen aber noch nicht abgeschlossen. Im März 2003 soll eine weitere wissenschaftliche Dokumentation entstehen, damit die „Geschichten aus dem Acker“ auch für die breite Öffentlichkeit verständlich werden.

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